(Quelle: DVD Cover und Szenenfotos: Warner Brothers Pictures)

Formicula, Original: Them! (1954)

Warner Brothers Pictures, gedreht in schwarz/weiß, Produktionsland: USA, Länge: 93 min

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++Cast++ ++Crew++
James Whitmore als Sergeant Ben Peterson Regie: Gordon Douglas
James Arness als Robert Graham Produktion: David Weishart
Edmund Gwenn als Dr. Harold Medford  Drehbuch: Ted Sherdeman, Russel Hughes
Joan Weldorn als Dr. Patricia Medford Kamera: Sid Hickox
Leonard Nimoy als US Air Force Sergeant    Schnitt: Thomas Reilly
Richard Bellis als Mike Lodge           Musik: Bronislau Kaper

                                                                                 

Besprechung:

Plot (enthält Spoiler)

Zwei Polizisten lesen am Straßenrand nahe der Wüste Nevadas ein verstörtes Mädchen auf. Das Kind spricht nicht, ist verschmutzt und steht unter Schock. In der Nähe des Fundortes befindet sich darüber hinaus ein Wohnwagen, dessen Außenwand völlig zerfetzt wurde. Die beiden Männer beschließen, dass einer von beiden das Kind in ein Krankenhaus bringt, während der andere den Ort als möglichen Tatort eines Verbrechens inspiziert.

Der jüngere der beiden Polizisten bleibt und untersucht den Wohnwagen. Er findet kiloweise Zucker am Boden, dass aus einem zerstörten Fass rieselt. Plötzlich hört er ein grausam klingendes Pfeifen und erblickt etwas, dass ihm schier den Atem zu rauben scheint. Er zieht seine Waffe, doch bevor er schießen kann, verschwindet er.

Die Suche wird aufgenommen und im Zuge der Ermittlungen entdeckt man ein Geschäft, dessen Außenwand ebenfalls völlig zerstört ist. Wieder liegt ein Fass Zucker am Boden verstreut und wieder ertönt ein seltsames Pfeifen. Um herauszufinden, was hier geschehen ist, werden die beiden Wissenschaftler Dr. Harold Madford und seine Tochter Patricia eingeflogen. Sie sind Insektenkundler und hegen einen schrecklichen Verdacht. Haben die Atomversuche in der Wüste schreckliche Mutationen in der Tierwelt bewirkt?...

 (in der Wüste von New Mexico: ist das Gebiet atomverseucht?

Fazit:

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als ich die Monsterfilme der 50er und 60er Jahre im Fernsehen sah. Streifen wie Tarantula, Godzilla, Der Schrecken vom Amazonas oder eben Formicula jagten mir als Kind einen wohligen Schauer über den Rücken. Heute ist das natürlich anders. In Zeiten, in denen Serien wie „The Walking Dead“ unzensiert um 22.00h oder sogar zur Primetime im Free TV laufen und in der selbst Krimiserien den ein oder anderen Ekelfaktor aufweisen müssen, um ernst genommen zu werden, erzeugt ein Film wie dieser bei vielen jungen Zuschauer wohl eher ein müdes Lächeln.

Ich möchte diesen Klassiker dennoch gerade denen unter Euch, die diese alten, stark von der Angst vor dem Sozialismus und vor einem Atomkrieg geprägten Schinken nicht kennen, als Tipp ans Herz legen. Es macht tatsächlich schon einigen Spaß, wie hier, riesige Ameisen dabei zu beobachten, wie sie gegen bis an die Zähne bewaffnete Soldaten antreten. Tatsächlich hat der Film nämlich wesentlich mehr als einige Lacher für Trashfans zu bieten. Die Arbeit von Filmlegenden wie Jack Arnold und Ray Harryhausen, die an diversen dieser Filme mitgewirkt haben, beeinflusst auch heute noch Filmemacher in aller Welt.

(das Militär wird in Filmen jener Zeit gerne als Retter in letzter Sekunde präsentiert)

Allein der Beginn ist aller Ehren wert. Zwei Polizisten lesen an einem Straßenrand im Wüstengebiet ein völlig verstörtes Mädchen auf. Es spricht nicht mehr, ist schmutzig und steht offenbar unter Schock. Einer der beiden Polizisten nimmt das Mädchen mit, um es in ein Krankenhaus zu bringen, während sein Partner vor Ort bleibt, um die Umgebung zu untersuchen. Als er eine völlig zerstörte Häuserwand entdeckt, setzt ein unwirkliches Pfeifen ein. Der gesamte Anfang steckt voller Spannung, der Zuschauer spürt, hier ist etwas seltsames im Gange. Doch was genau geht hier vor? Regisseur Gordon Douglas („Sieben gegen Chicago“) arbeitet mit allerlei mehr oder weniger subtilen Tricks, um eine Atmosphäre der Spannung und des Horrors aufrecht zu erhalten. Vor allem der Einsatz von Licht ist bei schwarz/weiß Filmen immer sehr wichtig und tatsächlich kann mit einem guten Licht- und Schattenspiel eine tolle gruselige Atmosphäre erzeugt werden.

Wenn diese dann noch mit guter Musik untermalt ist, braucht es eigentlich gar keinen Gore mehr. Die gute alte Fantasie tut das, wofür sie die Natur einst geschaffen hat und erzeugt in unserem Kopf die unglaublichsten Bilder. Was soll ich sagen:  als Kind hat das bei mir genauso gut funktioniert, wie heute noch. Die Riesenameisen aus der Wüste Nevadas sind genauso in meinem Gedächtnis verankert, Arnolds Riesentarantel, die ebenfalls durch missglückte Atomversuche entstanden ist.

(der Anblick des Monsters reicht, um sich vorzustellen, was es mit Menschen anrichtet. Gore-Effekte sind nicht nötig)

Überhaupt war die Atomenergie in den 50er Jahren, der Zeit, in der der Kalte Krieg seinen ersten Höhepunkt erreichte, eines der Hauptthemen in der Science Fiction. Sei es bei Der Tag an dem die Erde stillstand, die hier bereits genannten Monstermovies, oder Invasionsfilme wie Kampf der Welten . Überall spielt die Atomkraft, oder wenigstens doch die Atombombe eine Rolle im Film. Der zweite vermeintliche „Gefahrenherd“ dieser Ära war die sogenannte „Rote Bedrohung“. Damit ist die Angst vor der kommunistischen Unterwanderung der USA gemeint. Dieses Grundthema kommt etwa in Gefahr aus dem Weltall hervorhebend zum Ausdruck. Nicht von ungefähr werden Militärs in derartigen Streifen immer als Helden präsentiert, die das Land in letzter Sekunde vor der Gefahr retten.

Aus heutiger Sicht finde ich eben auch jene historischen Aspekte solcher Filme interessant und Formicula ist einer jener typischen 50er Jahre Sci-Fi-Streifen, die von Andreas Friedrich in seinem Essay im Buch: "Filmgenres: Science Fiction" auf Seite 88 so treffend als "Paranoia-Kino" bezeichnet werden.

(wie üblich in SciFi Filmen, spielt das US-Militär eine große Rolle im Film)

Darüber hinaus bewundere ich immer wieder den Einfallsreichtum der damaligen Filmemacher, die mit so wenigen Mitteln teilweise so viel erreichten. Dies vor allem auch deshalb, weil es sich bei den Monster-Filmen meist um typische B-Movies handelt, Streifen also, die mit einem recht geringen Budget entstanden sind.

Zahlreiche Monstermovies gehören heute dennoch, oder gerade deshalb, zu den Klassikern des Genres. Die meisten dieser Titel wurden ohne großes Staraufgebot, dafür aber mich einer Masse an guten Ideen und großem handwerklichen Geschick verwirklicht. Ein Werk wie das hier besprochene vermag es auch heute noch, den Zuschauer an den Bildschirm zu fesseln und die Fantasie anzuregen. Nicht umsonst dienen Werke wie eben auch Formicula zahlreichen  Filmemachern, unter anderem auch Peter Jackson (wie er in der Dokumentation "The SciFi Boys" ausführt), seit Generationen als Vorbild.  Bei mir erzeugen die Bilder auch heute noch, 60 Jahre nach der Uraufführung, ein angenehm gruseliges Gefühl, auch wenn ich zugestehe, dass mir hier sicherlich meine Kindheitserinnerungen einen Streich spielen. Ich denke einfach gerne daran wie es war, als  Mama nach dem heimlichen Genuss von „Formicula“ abends nach Monstern im Schrank und unter dem Bett suchte und das Nachttischlämpchen anließ. Abgehalten haben mich meine nächtlichen Albträume vom schauen solcher Filme allerdings nicht, im Gegenteil!

persönliche Bewertung: 4/6

Leserbewertung:

Zusatzquellen

Friedrich, Andreas in: Reclam Filmgenres: Science Fiction S. 88 ff.

Dokumentation: The SciFi Boys, 2006


 

 

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